Schweizer Fischzucht – eine Herausforderung für den Veterinärdienst

Angesichts überfischter Meere und grosser Mengen an importiertem Fisch ist es ein attraktiver Gedanke, Speisefisch in der Schweiz zu züchten. Die Bedingungen dafür unterscheiden sich jedoch erheblich von den Haltungsbedingungen für andere Nutztiere. Daher muss sich der Veterinärdienst Schweiz mit den Besonderheiten der Aquakultur auseinandersetzen.

Die Forellenzucht ist in der Schweiz seit Jahrzehnten etabliert. In letzter Zeit wurde die Technologie der Aquakulturanlagen stark weiterentwickelt, sodass mittlerweile auch Fische wie Egli, Stör, Lachs oder Zander und sogar Shrimps produziert werden können. Selbst Fischarten wie Pangasius, die heute in grossen Mengen importiert werden, könnten zukünftig in Schweizer Aquakulturen gezüchtet werden.

Tierschutzrechtliche Vorgaben für die Aquakultur

Die Zucht von Speisefischen ist eine landwirtschaftliche Betriebsform und gilt gemäss Tierschutzverordnung als gewerbsmässige Wildtierhaltung. Damit sind die Ausbildungs- und die Bewilligungspflicht verbunden. Wer eine Aquakultur betreiben will, muss vorgängig die entsprechende berufsunabhängige Ausbildung absolvieren. Zudem ist für jede Fischzuchtanlage eine Bewilligung des kantonalen Veterinärdienstes erforderlich.

Die Tierschutzverordnung enthält zur Haltung von Speisefischen und zum Umgang mit ihnen nur wenige allgemein gehaltene Vorgaben. Tierschutzorganisationen, aber auch die Fischzuchtbranche selber erachten diese als unzureichend und haben daher beim BLV wiederholt präzise Vorgaben gefordert. Aktuell erarbeitet das BLV in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin (FIWI) der Universität Bern eine Reihe von Fachinformationen zu spezifischen Haltungsvorgaben für die wichtigsten in der Schweiz gehaltenen Nutzfischarten. Zu diesen gehören die Regenbogenforelle, die Bachforelle, der Seesaibling, der Bachsaibling, das Egli und der Zander.

Warum Aquakultur keine Nutztierhaltung wie jede andere ist

Während Stalleinrichtungen für die landwirtschaftlichen Nutztiere wie z.B. Fressgitter, Tränken oder Liegebereiche einigermassen standardisiert sind, muss jede Fischzuchtanlage als Einzelfall betrachtet werden. Die benötigten technischen Komponenten hängen von zahlreichen Faktoren ab. So braucht es beispielsweise je nach Wasserversorgung und Fischart unterschiedliche Filter-, Heiz-, Kühl- oder Belüftungssysteme.

Die Beurteilung einer Aquakultur erfordert also besonderes Fachwissen, das in der Regel nur bei Spezialistinnen und Spezialisten für Aquakultur vorhanden ist. Deshalb ist das BLV bestrebt, ein Netzwerk von Fachpersonen aufzubauen. Diese können die Kantone bei der Beurteilung von Fischzuchtanlagen im Rahmen des Bewilligungsprozesses, aber auch bei den amtlichen Kontrollen unterstützen. Parallel dazu führt das BLV vermehrt Weiterbildungen für amtliche Kontrollpersonen durch.

Amtliche Kontrollen vom Haltungsbecken bis zum Fischfilet

Gewerbsmässige Fischhaltungen müssen nach der Tierschutzverordnung in der Regel alle vier Jahre kontrolliert werden. Dabei liegt das Augenmerk insbesondere auf der Besatzdichte, der Wasserqualität, dem Umgang mit den Tieren sowie auf der Ausbildung der verantwortlichen Personen. Wie jede andere Nutztierhaltung gehört die Fischzucht zur landwirtschaftlichen Primärproduktion und ist Teil der Lebensmittelkette. Im Rahmen der amtlichen Primärproduktionskontrollen werden nebst Tierschutzvorschriften auch die Hygiene in der Primärproduktion, der Tierarzneimitteleinsatz, die Tiergesundheit, der Tierverkehr und die Biosicherheit amtlich überprüft.

In den meisten Aquakulturbetrieben werden die ausgemästeten Fische direkt vor Ort geschlachtet. Auch dieser letzte Produktionsabschnitt unterliegt gesetzlichen Vorgaben. Aus Tierschutzsicht ist der Umgang mit den Fischen beim Entnehmen aus dem Haltungsbecken sowie das Betäuben und Entbluten respektive Ausnehmen der Tiere relevant. Die Entnahme der Fische aus den Haltebecken hat möglichst schonend zu geschehen. Wie alle anderen Wirbeltiere müssen auch Fische vor dem Töten betäubt werden. Die gebräuchlichsten Methoden sind dabei die Betäubung mittels elektrischem Strom und die Betäubung mittels Kopfschlag.

Weitere Bestrebungen des BLV zum Schutz der Fische

Parallel zur Arbeit im Bereich Ausbildung und amtliche Kontrollen unterstützt das BLV das Projekt FishEthoBase. Im Rahmen dieses Projektes erstellt der Tierschutzverein fairfish Profile zu den weltweit wichtigsten Nutzfischarten und veröffentlicht sie in einer allgemein zugänglichen Datenbank. Anders als in bisherigen Datenbanken enthalten die Profile in der FishEthoBase auch Angaben zum Verhalten der jeweiligen Fischarten. Die Profile sollen sowohl Fischhaltenden wie auch Vollzugsbehörden bei der Beurteilung der Frage helfen, ob und wie die aufgeführten Fischarten unter Aquakulturbedingungen gehalten werden können.

Um die natürlichen Fischbestände in den Weltmeeren zu schützen und zu schonen, unterstützt die Schweiz seit 2017 die Bekämpfung der illegalen Fischerei: Fische aus illegaler, unregulierter Fischerei (IUU) dürfen neu nicht mehr in die Schweiz eingeführt werden. Um diese Forderung umzusetzen, wurde am BLV eigens eine Stelle geschaffen, welche alle Fischimportsendungen überwacht und kontrolliert.