Zwischen Naturschutz-, Tierschutz- und Lebensmittelrecht

Der Begriff «Wildtiere» umfasst unzählige Tierarten und hat im Tierschutzrecht, in anderen Gesetzgebungen und im alltäglichen Sprachgebrauch nicht immer dieselbe Bedeutung.

 


Die Tierschutzverordnung grenzt die Wildtiere von den Haustieren ab, also von den Tierarten, die der Mensch über die Jahrtausende gezähmt resp. domestiziert hat. Haustiere haben ihre Furcht vor dem Menschen weitgehend verloren und tolerieren eine Vielzahl von Handlungen an sich selber oder in ihrer nächsten Umgebung, ohne dadurch in Angst versetzt zu werden. Man denke hier z.B. an Begleithunde, an Reitpferde oder an Milchkühe. Wildtiere dagegen kennen den Menschen in der Regel nicht als Beschützer, Versorger und Pfleger und sind somit naturgemäss eher scheu, weniger anpassungsfähig und damit stressanfällig. Zu diesen im Tierschutzrecht berücksichtigten Wildtieren gehören beliebte Heimtierarten wie Meerschweinchen und Wellensittiche genauso wie alle in Gefangenschaft gehaltenen Reptilien, Fische, exotischen Vögel und Säugetiere. Wer exotische Wildtiere halten möchte, muss gemäss Tierschutzverordnung in vielen Fällen eine Ausbildung absolvieren und beim kantonalen Veterinärdienst eine Bewilligung beantragen.

Davon abzugrenzen sind unsere einheimischen Wildtiere wie Fuchs, Spatz, Eidechse usw., die nicht als Heimtiere gehalten werden dürfen. Auch der Igel gehört zu dieser Kategorie von Wildtieren. Er ist ein gutes Beispiel für das Ineinandergreifen von Naturschutz und Tierschutz – beides tief verankerte Anliegen unserer Gesellschaft. Aus dieser Optik ist ihm in diesem Bericht ein Beitrag gewidmet.

Eine weitere Gruppe von Wildtieren sind diejenigen, die vom Menschen als Nutztiere zur Lebensmittelproduktion gehalten werden. Dazu gehören z.B. der Damhirsch, die Wachtel oder die Regenbogenforelle. Während die landwirtschaftliche Hirsch- und Wachtelhaltung gesetzlich recht detailliert geregelt ist, fehlen präzise Haltungsvorschriften für Speisefische bisher fast vollständig. Die Aquakultur, d.h. die Zucht von Fischen und anderen Wassertieren zu Lebensmittelzwecken, ist jedoch ein aufstrebender Produktionszweig. Damit steigt der Bedarf an Rechtssicherheit bei den Fischzüchterinnen und Fischzüchtern ebenso wie bei den mit den Kontrollen beauftragten Vollzugsbehörden. Der Beitrag über die Schweizer Fischzucht widmet sich einigen wichtigen Aspekten der Aquakultur und zeigt, welche Ziele das BLV in diesem Bereich verfolgt.