Das neue 3R-Kompetenzzentrum 3RCC

Die 3R-Prinzipien (Replace, Reduce, Refine) müssen bei jedem Tierversuch umgesetzt werden. Zur Stärkung ihrer Umsetzung hatte der Bundesrat die Schaffung eines nationalen Kompetenzzentrums 3RCC empfohlen. Dieses wurde im März 2018 gegründet. Es ist als Netzwerk mit elf Hochschulen konzipiert und wird von den Hochschulen, der Industrie (Interpharma), dem Bund und dem Schweizer Tierschutz getragen. Die wichtigsten Aufgaben des neuen Kompetenzzentrums sind die Aus-, Weiter- und Fortbildung der Forschenden, die aktive Kommunikation nach innen und aussen und eine 3R-Forschung, bei der alle 3R-Bereiche berücksichtigt werden.

In der Schweiz sind Forschende verpflichtet, die Anzahl der Tiere für Tierversuche auf ein Minimum zu beschränken. Anstelle von Tierversuchen müssen Alternativmethoden eingesetzt werden, wenn sie vorhanden sind. Die unbedingt nötigen Tierversuche sind so schonend wie möglich durchzuführen. An der Umsetzung dieser Prinzipien arbeiten alle Beteiligten gemeinsam: die Forschenden, die Forschungsförderer, die pharmazeutische Industrie und die Behörden.

Die Stiftung Forschung 3R hat die Arbeiten für die Verankerung der 3R-Prinzipien in den letzten dreissig Jahren stark vorangetrieben. Der Bundesrat hat 2015 in Erfüllung des Postulats 12.3660 in seinem Bericht «Zukunft der Stiftung Forschung 3R und Alternativmethoden für Tierversuche» mehrere Massnahmen vorgeschlagen, wie die Erforschung von Alternativmethoden weiter gefördert, die Zahl der Tierversuche verringert und die Belastung der Tiere vermindert werden kann. Zur Stärkung der Umsetzung der 3R-Prinzipien hat der Bundesrat insbesondere die Schaffung eines nationalen Kompetenzzentrums empfohlen. Als Resultat von mehreren Workshops beauftragten das BLV und das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI die Rektorenkonferenz swissuniversities, ein Konzept für die Struktur und den Betrieb des neuen nationalen Kompetenzzentrums zu erarbeiten.

Die Erwartungen des BLV an das neue Kompetenzzentrum sind hoch, insbesondere bei den Schlüsselelementen Ausbildung, Kommunikation und 3R-Forschung. Das Kernelement für wirkungsvolle und nachhaltige Verbesserungen für die Versuchstiere und für die Senkung der Tierzahlen bildet eine fundierte Aus-, Weiter- und Fortbildung der Forschenden. Die enge Anbindung an die Hochschulen erlaubt, dass das Thema 3R neu bereits zu einem frühen Zeitpunkt im Curriculum der Studierenden aller naturwissenschaftlichen und medizinischen Studienrichtungen aufgenommen wird. Ziel ist, in den schweizerischen Versuchstierhaltungen, Forschungsinstituten und Laboratorien eine 3R-Kultur zu etablieren.

Um dies zu erreichen, muss vom 3RCC eine 3R-Ausbildungsstrategie erarbeitet und umgesetzt werden, welche die unterschiedlichen Formate in der Aus- und Weiterbildung berücksichtig und die Koordination zwischen den existierenden Programmen der Hochschulen im Bereich 3R-Lehre sicherstellt. Diese Schlüsselstelle im Bereich Aus-, Weiter- und Fortbildung erlaubt dem 3RCC insbesondere, zum «Kompetenzzentrum für tierschutzkonformen Umgang mit Versuchstieren» zu werden respektive sich im Bereich 3R ganz allgemein zur Plattform für den Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen allen Beteiligten zu entwickeln.

Das 3RCC hat ein Kommunikationskonzept zu erarbeiten, welches den Aufbau einer professionellen Anlaufstelle für die verschiedenen Stakeholder beinhaltet, die künftig eine strukturierte Kommunikation mit den Stakeholdern (den Studierenden, den Forschenden, der Öffentlichkeit, den Medien, den Behörden und der Politik) erlaubt. Mit dieser aktiven Kommunikation nach innen und nach aussen soll sowohl innerhalb der Forschungsgemeinschaft als auch in der Bevölkerung eine grösstmögliche Transparenz sichergestellt werden. Schliesslich wird die internationale Vernetzung mit weiteren 3R-Kompetenzzentren in Europa und weltweit für den Austausch von Wissen, Erfahrungen und 3R-Methoden erwartet.

Für die 3R-Forschung muss eine Forschungsstrategie entwickelt werden, in der qualitativ hochstehende, kompetitive Forschungsprojekte identifiziert und angestossen werden, die alle 3R-Bereiche berücksichtigt. Es ist denjenigen Projekten besondere Bedeutung beizumessen, die neue Methoden oder Technologien bis hin zur Implementierung der neuen 3R-Methoden entwickeln und die nicht durch andere Förderinstrumente (wie etwa jene des Schweizerischen Nationalfonds SNF) gefördert werden. Dabei ist sicher die Erforschung von Alternativmethoden im Fokus. Im regulatorischen Bereich soll das 3RCC als Katalysator für die Umsetzung und Implementierung der tierversuchsfreien Methoden wirken.

Solange Tierversuche unvermeidlich sind, müssen aber auch Studien und Projekte unterstützt werden, in denen tierschonende Methoden entwickelt werden, die eine effektive und nachhaltige Verminderung der Belastung der Versuchstiere anstreben. Weiter sind auch Methoden zu fördern, welche für aussagekräftige Forschungsergebnisse die erforderliche optimale Anzahl der eingesetzten Versuchstiere zum Ziel haben.

Mit der Entwicklung geeigneter Evaluationsinstrumente und Schlüsselindikatoren für den 3R-Bereich sollen die Forschritte in Lehre und Forschung gemessen und in Faktenblättern ausgewiesen werden (Monitoring). Zudem sollen Grundlagen geschaffen werden, mit denen «nicht publizierbare» Ergebnisse in allen 3R-Forschungsbereichen bewirtschaftet werden können.

Das BLV freut sich auf die enge Zusammenarbeit mit dem 3RCC. Es ist gerne bereit, Fortschritte in der Umsetzung der 3R-Prinzipien anzuerkennen und die Leistungen aller Beteiligten zu unterstützen.