Einleitung

Jedes Tier, das in menschlicher Obhut lebt, zeigt neben arttypischen auch haltungsbedingte Verhaltensweisen in verschiedenen Situationen. Letztere hängen nicht zuletzt mit der Umgebung zusammen, die ihm die Tierhalterinnen und Tierhalter verfügbar machen. Das arttypische Verhalten ist hingegen naturgegeben und damit grundsätzlich nicht zu beeinflussen. Darin sind die Grundbedürfnisse einer Tierart erkennbar, die in einer artgerechten Haltung berücksichtigt sind.

Das Schweizer Tierschutzgesetz bildet dies ab, in dem es vorschreibt: «Wer Tiere hält oder betreut, muss sie angemessen nähren, pflegen, ihnen die für ihr Wohlergehen notwendige Beschäftigung und Bewegungsfreiheit sowie soweit nötig Unterkunft gewähren.» Das Wohlergehen der Tiere ist unter anderem dann gegeben, wenn eben dieses artgemässe Verhalten gewährleistet ist.

Um den Bedürfnissen der Tiere Rechnung tragen zu können, muss man diese kennen. Aber wer weiss wirklich Bescheid und wo wird dieses Wissen zur Verfügung gestellt? Auch hier gibt das Tierschutzgesetz Antwort: «Der Bundesrat erlässt unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Erkenntnisse und nach dem Stand der Erfahrung und der technischen Entwicklung Vorschriften über das Halten von Tieren, namentlich Mindestanforderungen. Er verbietet Haltungsarten, die den Grundsätzen des Tierschutzes widersprechen».

Tiere zu halten bedeutet immer auch, sie in einem gewissen Masse einzuschränken. Besonders unsere Haustiere wie Hund, Katze, Rind oder Pferd sind dahingehend recht anpassungsfähig. Ihr Wohlergehen kann auch ohne die vollumfängliche Freiheit gewährleistet sein. Zudem bieten tiergerechte Gehege und kompetente Pflege auch Schutz vor zahlreichen Gefahren, z. B. vor Fressfeinden oder Infektionskrankheiten. Die Tierschutzgesetzgebung zeigt, welche Mindestanforderungen in der Tierhaltung und beim Umgang mit Tieren erfüllt sein müssen. Verantwortungsvolle Halterinnen und Betreuer bieten ihren Tieren mehr als das gesetzliche Minimum. Das BLV bietet ihnen dazu umfangreiche Informationen.

Zwei Beispiele aktueller Sensibilisierungsmassnahmen im Bereich Haus- und Heimtierhaltung werden in diesem Bericht vorgestellt. Seit 2017 läuft eine gemeinsame Kampagne von BLV und Schweizer Tierschutz STS, die über Grösse und Ausgestaltung tiergerechter Gehege für Nager und Kaninchen, Vögel und Reptilien informiert. Vgl. dazu den Beitrag «Tiergerechte Heimtiergehege». Daneben ist es dem BLV ein Anliegen, auf die immer beliebtere Hühnerhaltung im privaten Rahmen einzugehen. Die Mindestanforderungen für Haushühner in der Tierschutzverordnung sind auf kommerzielle Geflügelhaltungen mit Hunderten oder gar Tausenden von Tieren ausgelegt und nicht ohne Schwierigkeiten auf Hobbyhaltungen übertragbar. Trotzdem müssen die Bedürfnisse der Hühner auch in kleinen Ställen berücksichtigt sein. In einem ersten Schritt erscheint deshalb der Beitrag «Hühner Hobbyhaltung». Eine entsprechende Fachinformation ist auf der Webseite des BLV verfügbar.